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"Ukraine meets Potsdam"

Eine Brücke der Kunst:
Ausstellung ukrainischer Künstlerinnen in Potsdam

Im Dezember 2022 initiierte und organisierte ich im MarktCenter Potsdam die Ausstellung „Ukraine meets Potsdam“. Im Mittelpunkt standen die Arbeiten der ukrainischen Künstlerinnen Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk und Anna Moskalets. Ihre Malerei, Zeichnung und Fotografie brachten unterschiedliche künstlerische Perspektiven an einen Ort, der sonst vom Einkaufen und den Wegen des Alltags geprägt ist. Das Projekt verband die Präsentation zeitgenössischer Kunst mit einem Anliegen: Menschen in Potsdam einen Zugang zu den Werken und Ausdrucksformen der drei Künstlerinnen zu eröffnen. Ihre Arbeiten sollten sichtbar werden und Gelegenheit geben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Der Titel „Ukraine meets Potsdam“ beschrieb diese Begegnung. Die Ausstellung führte ukrainisches Kunstschaffen und einen Potsdamer Ausstellungsort zusammen, ohne die beteiligten Künstlerinnen auf ihre Herkunft zu reduzieren. Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk und Anna Moskalets waren mit eigenen Arbeiten vertreten. Diese Eigenständigkeit war entscheidend: Kunst aus einem Land bildet keine einheitliche Position. Sie entsteht aus persönlichen Erfahrungen, unterschiedlichen Arbeitsweisen und individuellen Entscheidungen. Wer ihre Vielfalt wahrnehmen möchte, muss den einzelnen Werken Aufmerksamkeit schenken. Die Ausstellung bot dafür einen Rahmen, in dem verschiedene Ausdrucksformen nebeneinander bestehen und miteinander in Beziehung treten konnten.

Malerei, Zeichnung und Fotografie eröffnen jeweils eigene Zugänge zu einem Thema. Sie unterscheiden sich darin, wie sie Wirklichkeit aufgreifen, Eindrücke verdichten oder persönliche Vorstellungen sichtbar machen. Eine gemalte Fläche, eine gezeichnete Linie und eine fotografische Aufnahme verlangen unterschiedliche Entscheidungen und sprechen die Wahrnehmung auf verschiedene Weise an. In der gemeinsamen Präsentation entstand daraus ein Wechsel zwischen den Medien. Für die Betrachtenden bot sich die Möglichkeit, diese Unterschiede zu entdecken: Welche Wirkung hat eine Komposition? Wohin führt eine Linie? Welche Einzelheit hält den Blick fest? Solche Fragen ermöglichen eine Annäherung, die beim Werk beginnt und Raum für eigene Gedanken lässt. Als Fotograf interessiert mich dabei auch, wie sich die Wahrnehmung eines Werkes durch seine Umgebung verändert und welche Rolle Licht, Abstand und die unmittelbare Nachbarschaft anderer Bilder beim Betrachten spielen.

Die Arbeiten vermittelten Einblicke in persönliche Empfindungen, kulturelle Bezüge und die Herausforderungen, mit denen die Künstlerinnen konfrontiert waren. Dabei lässt sich ein Kunstwerk weder vollständig durch eine Biografie erklären noch auf eine einzelne Botschaft festlegen. Seine Bedeutung entsteht auch im Zusammenspiel mit den Erfahrungen der Menschen, die es betrachten. Gerade darin liegt für mich eine Stärke von Ausstellungen: Sie schaffen einen gemeinsamen Bezugspunkt, ohne allen dieselbe Deutung vorzugeben. Ein Bild kann Erinnerungen wecken, Fragen auslösen oder zunächst durch seine Gestaltung ansprechen. Jede dieser Reaktionen eröffnet einen Zugang. Entscheidend ist die Bereitschaft, hinzusehen und einer zunächst fremden Perspektive Aufmerksamkeit zu geben.

Das MarktCenter Potsdam bot dafür einen besonderen Rahmen. Die Ausstellung befand sich in einem Umfeld, das Menschen aus unterschiedlichen Gründen aufsuchen. Kunst begegnete ihnen dort innerhalb ihres Alltags. Wer eine Galerie besucht, entscheidet sich meist schon vorher für die Beschäftigung mit einer Ausstellung. In einem Einkaufszentrum kann diese Entscheidung erst vor einem Bild entstehen. Ein kurzer Blick kann genügen, um stehen zu bleiben. Aus beiläufigem Wahrnehmen kann konzentriertes Betrachten werden. Diese Möglichkeit machte den Ort für das Projekt interessant. Die Werke erhielten eine Öffentlichkeit außerhalb der üblichen Ausstellungsräume und konnten Menschen erreichen, die keinen gezielten Kunstbesuch geplant hatten.

Eine zentrale Voraussetzung dafür schuf Siegfried Grube. Mit seiner Initiative und seinem Engagement trug er maßgeblich dazu bei, dass das MarktCenter seine Räume für das Projekt öffnete. Dafür bin ich ihm dankbar. Ein solcher Ort wird erst dann zu einem Ausstellungsraum, wenn Menschen bereit sind, ihn anders zu denken und entsprechend zur Verfügung zu stellen. Siegfried Grube ermöglichte diesen Schritt. Mein Dank gilt ebenso Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk und Anna Moskalets, deren Arbeiten die Ausstellung getragen haben. Ohne ihre künstlerischen Beiträge hätte es diese Begegnung nicht gegeben. Organisation und Räumlichkeiten bildeten den Rahmen; den Inhalt bestimmten die Künstlerinnen mit ihren Werken.

„Ukraine meets Potsdam“ war zugleich ein Zeichen der Solidarität und des europäischen Zusammenhalts. Diese Begriffe erhielten durch das Projekt eine konkrete Form: Drei Künstlerinnen bekamen Raum für ihre Arbeit, ihre Perspektiven und ihre öffentliche Präsenz. Solidarität bedeutete hier, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und künstlerische Stimmen wahrnehmbar zu machen. Dazu gehört, Menschen als eigenständige Gestalterinnen zu begegnen und ihre Arbeit ernst zu nehmen. Die Ausstellung lenkte den Blick auf das, was sie geschaffen hatten. Sie machte ihre Kunst zum Ausgangspunkt einer Begegnung, die über geografische Grenzen hinausreichte und dennoch bei den einzelnen Werken blieb.

Für mich bleibt die Ausstellung ein Beispiel dafür, was durch persönliches Engagement und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Beteiligter entstehen kann. Sie verband Künstlerinnen, einen öffentlich zugänglichen Ort und Menschen, die dort mit ihren Arbeiten in Berührung kommen konnten. Nicht jede Begegnung mit Kunst braucht Vorwissen oder eine lange Vorbereitung. Manchmal beginnt sie damit, dass ein Bild an einem unerwarteten Ort den Blick auf sich zieht. „Ukraine meets Potsdam“ gab solchen Begegnungen Raum. Das ist für mich der bleibende Wert dieses Projekts: Kunst sichtbar zu machen, Aufmerksamkeit zu ermöglichen und Menschen über ihre unterschiedlichen Erfahrungen hinweg miteinander in Verbindung zu bringen.

A Bridge of Art:
Exhibition of Ukrainian Artists in Potsdam

In December 2022, I initiated and organised the exhibition “Ukraine meets Potsdam” at MarktCenter Potsdam. It centred on the work of Ukrainian artists Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk and Anna Moskalets. Their painting, drawing and photography brought different artistic perspectives into a place usually shaped by shopping and everyday routines. The project combined the presentation of contemporary art with a clear purpose: to introduce people in Potsdam to the work and forms of expression of these three artists. Their work deserved to be seen and to receive thoughtful attention.

The title “Ukraine meets Potsdam” described this encounter. The exhibition brought Ukrainian art to a venue in Potsdam without reducing the participating artists to their nationality. Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk and Anna Moskalets each contributed their own work. That individuality mattered: art from one country does not represent a single position. It grows from personal experiences, different working methods and individual decisions. Appreciating its diversity requires attention to each work. The exhibition provided a setting in which different forms of expression could exist alongside one another and enter into a dialogue.

Painting, drawing and photography each offer their own approach to a subject. They differ in how they engage with reality, bring impressions together or give shape to personal ideas. A painted surface, a drawn line and a photographic image involve different decisions and address our perception in different ways. Presenting them together allowed visitors to move between these media and discover their differences. What effect does a composition have? Where does a line lead? Which detail holds our attention? Such questions offer a way into a work while leaving room for personal interpretation. As a photographer, I am also interested in how a setting changes our perception of an artwork, and how light, viewing distance and neighbouring images influence the way we look.

The works offered insights into personal feelings, cultural connections and the challenges the artists faced. Yet an artwork cannot be explained entirely through a biography or reduced to a single message. Its meaning also develops through the experiences of those who view it. For me, this is one of the strengths of exhibitions: they create a shared point of reference without prescribing the same interpretation for everyone. An image may awaken memories, prompt questions or initially attract attention through its composition. Each response offers a way in. What matters is a willingness to look and give attention to a perspective that may initially feel unfamiliar.

MarktCenter Potsdam provided a distinctive setting for this. The exhibition occupied a place people visit for many different reasons. Art became part of their everyday surroundings. Someone visiting a gallery has usually already chosen to engage with an exhibition. In a shopping centre, that decision may only arise when an image catches their eye. A brief glance can be enough to make someone stop. Passing awareness can develop into sustained attention. This possibility made the venue interesting for the project. The works gained visibility beyond conventional exhibition spaces and could reach people who had not planned to look at art that day.

Siegfried Grube made an essential contribution to this opportunity. Through his initiative and commitment, he played a central role in opening MarktCenter’s spaces to the project. I am grateful to him for that. A place like this becomes an exhibition venue when people are willing to imagine another use for it and make it available. Siegfried Grube helped make that possible. My thanks also go to Tetiana Malinovska, Valeriia Buchuk and Anna Moskalets, whose work formed the substance of the exhibition. Without their artistic contributions, this encounter would not have taken place. Organisation and premises provided the framework; the artists shaped its content through their work.

“Ukraine meets Potsdam” was also a gesture of solidarity and European unity. The project gave these ideas a practical form: three artists received space for their work, their perspectives and their public presence. Here, solidarity meant enabling cultural participation and making artistic voices visible. It meant recognising people as independent creators and taking their work seriously. The exhibition directed attention towards what they had made. Their art became the starting point for an encounter that reached across geographical borders while remaining grounded in the individual works.

For me, the exhibition remains an example of what personal commitment and collaboration can achieve. It brought together artists, a publicly accessible venue and people who could encounter their work there. Engaging with art does not always require prior knowledge or extensive preparation. Sometimes it begins when an image catches our attention in an unexpected place. “Ukraine meets Potsdam” made room for such encounters. That is the lasting value of this project for me: making art visible, encouraging people to look and creating connections between people whose experiences may differ.

Teilnehmende / Participants

Ukraine meets Potsdam, Ausstellung, Monsieur Franck Photography, Potsdam